Unsere erste Mission für heute: Gas kaufen. Schon seit fast einer
Woche kochen wir kriminell mit dem Notgas, und der neu erstandene Primus-Kocher
ist fast so laut wie die Standheizung, also so, dass er sich nicht wirklich für
Campingplätze eignet. Über sieben Ecken finden wir ein Imitationsprodukt von
Campinggas, es klappt wunderbar und ist nur halb so teuer. Wo wir grad so nahe
am Schloss Gripsholm sind, wollen wir dem und dem Städtchen Mariefred einen
Besuch abstatten. Da ist es wirklich sehr schön, malerisch gelegen und was
daraus gemacht. Wir verweilen kurz und fahren weiter Richtung Vännern-See. Im
WOMO-Führer finden wir den Tipp von einem Übernachtungsplatz am See auf ca.
halber Strecke und fahren da hin. Wir staunen nicht schlecht, als da
Parkanweiser stehen und 40 Krone für den Parkplatz verlangen. Scharen von
Leuten, ähnlich bepackt wie im Astrid Lindgren Land (inkl. Campingstühlen), laufen
Richtung See und wir sind uns nicht sicher, ob sowas hier an Wochenenden normal
ist, oder nicht. Das Navi führt uns punktgenau auf den grossen Parkplatz, heute
vollgestellt mit Autos. Zwei, drei WOMOs stehen auch, weit und breit aber
niemanden zu sehen, der nicht Einheimisch wirkt. Ich kundschafte aus und
erfahre, dass heute ein «Schlager-Festival» stattfindet. Wir beschliessen, den
Ort fluchtartig zu verlassen und fahren zum nächstgelegenen Campingplatz. Wir
kriegen den Platz direkt neben dem Spielplatz, Nino ist im Klee und wächst über
sich hinaus.
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16.07.13
DO 04/07
Heute gibt’s Stockholm nach Ninos Gusto. Wir fahren heute Schiffli,
bis uns die Ohren wackeln. Mit unserer Dreitages-ÖV-Karte, kein Problem,
allerdings müssen wir die Public-Fähren auch zuerst noch finden. Nöggi ist
geduldig und bestaunt voller Vorfreude die GROOOSSEN Schiffe am Hafen. Die erste
Enttäuschung über das verhältnismässig kleine Boot, weicht schnell einem
Blitzen in den Augen, als wir dann endlich an Bord gehen und das Schiff in
Fahrt kommt. Aus dem Fähre-Fenster hinaus hat man auch den besten Blick über
alle anderen Schiffe!
Nach einer 10minütigen Fahrt legen wir auf der Insel an, auf der der
Vergnügungspark liegt. Nichts für uns! Aber wir wollen ja eh heute nur
Schiffchen fahren. Per Zufall sehen wir, dass auch das Freilichtmuseum
«Skansen», in diesem Teil von Stockholm liegt, und nur einen kurzen Spaziergang
vom Anlegesteg entfernt ist. Wir beschliessen dann doch da hinzugehen, denn
davon haben die Berner in Mariannelund nur Gutes erzählt. Es ist ein bisschen
wir Ballenberg, sehr schön angelegt mit vielen Tieren aber auch «Fressbuden»
und Souvenir-Shops. Wir steuern direkt zu den einheimischen Tieren, denn davon
haben wir bisher leider nur welche am Strassenrand liegen sehen… Auf dem Weg zu
Elch, Rentier, Wildschwein, Luchs und Bär machen wir auch Bekanntschaft mit
frechen Möwen, Unmengen von Wildgänsen und einem vorwitzigen Eichhörnchen, die
sich alle gewohnt sind, dass es was zu Futtern gibt. Nino findet es anfangs
noch lustig den Tieren Steinchen hinzuwerfen, doch als dann alle auf ihn
zusteuern, weiss er weder ein noch aus und Papa muss ihn «retten». In der
Halbzeit gibt’s Kaffee und Kuchen zur Stärkung, zum Abschluss noch eine Runde
durch den Skansen-Shop, dann wieder Richtung Meer. Wir nehmen das Schiff zurück
ins Zentrum, steigen in die Tunelbana und kommen müde und zufrieden bei unserem
Johnny an.
MI 03/07
Frisch geduscht und grossstadtmässig rausgeputzt fahren wir nach Stockholm. Um 15 Uhr treffen wir auf dem Campingplatz Bredäng ein, um kurz darauf schon wieder in der «Tunelbana» Richtung Zentrum zu sitzen. Nach dem Bummel am Hafenbecken entlang und durch die vollgestopfte Gamla Stan (Altstadt) erreichen wir die Shopping-Meile. Schnell werden Mama und Papa vom Shopping-Fieber infiziert und Nino, der viel lieber noch mehr «Schiffli luege» wollte, wird einstimmig überstimmt. Klar, dass bei dem Trubel ein müdes Kind nicht schlafen kann, stattdessen nur noch müder wird und keine Lust hat, einfach nur brav im Wagen zu sitzen und den Schnabel zu halten. Den Abend in der Stadt beenden wir mit einem Znacht bei Jensens Bofhus, wo Nino sein erstes richtiges Kinder-Menu vertilgt. Alle recht erledigt fahren wir zurück «nach Hause» und schlafen mit guten Vorsätzen für den morgigen Tag ein.
DI 02/07
Wir sagen: «Tschüss, schöne Campingplatz!» und fahren Richtung
Eksjö, eine der ältesten Holzstädtchen Schwedens. Da ist nicht viel los heute
und wir haben die schönen Pflastersteingässchen mit den verschieden farbigen
Holzfassaden fast für uns alleine. Dieser Ort erweckt die Entdecker in uns, und
wir können an keinem noch so kleinen Innenhofeingang vorbei, ohne noch schnell
hineingeschielt zu haben. Ich glaube, man könnte einen ganzen Bildband mit
Eksjö-Innenhöfen herausgeben.
Da wir bis hierher aber erst eine halbe Stunde gefahren sind, müssen
wir weiter. Wir haben uns entschieden nun nach Stockholm zu fahren. Unser Weg
dorthin führt uns auf den Campingplatz Kolmarden. Wir sind schon recht spät
dran und haben weder das Znacht noch die nötige Menge Schoppen-Milch
eingekauft. Grund genug, einen Stugor zu mieten! Das Shopangebot lässt sehr zu
wünschen übrig und wir schaffen es mit Müh und Not ein Znacht
zusammenzustellen, das nicht nur aus Chips und Kalles Kaviar besteht. Dafür
finde ich hier: «Taddaaa: Rekorderlig Blabaer»! Komme was wolle, mein Abend ist
gerettet! – Wir alle finden es grad sehr praktisch, mal nicht die Sachen im
Johnny hin und her zu tischen sondern die beiden Kajütenbetten schlafbereit zu
machen. Nino kriegt auch hier ein «Huli-Bett» und schläft ein, als hätte er nie
woanders geschlafen.
MO 01/07
Eine Woche ist um und wir resümieren. Reisen mit Kind ist anders als
zu zweit. Dies war uns vorher schon klar, richtig bewusst wird es uns aber erst
jetzt, wo wir mittendrin sind. Man kann schon sagen: weniger gemütlich, weniger
spontan, weniger entspannend. Einige Male sind wir schon wehmütig an Orten
vorbeigefahren, an denen wir früher angehalten hätten, für einen schnellen
Kaffee, eine kurze Besichtigung oder einfach so, doch Nino schläft – nun
endlich – also fahren wir weiter. Wir tun uns noch ein bisschen schwer, die
richtige Balance für die Bedürfnisse aller Familienmitglieder zu finden.
Eine Woche ist um und wir waschen. Ja, saubere Wäsche ist in unserem
mobilen Zuhause einfacher und kompakter zu verstauen. Ordnung zu halten auf so
kleinem Raum, verlangt zu dritt halt doch nochmal einen Zacken mehr Disziplin.
Eine Woche ist um und wir planen. Soll es direkt Stockholm sein,
oder wollen wir doch noch zu den grossen Seen im Landesinnere. Da wird es wohl
sein, wo die Bilder der badenden Menschen geschossen werden, die wir auf allen
Schweden-Prospekten finden. Wir fragen uns ernsthaft: wann baden die Schweden?
Denn kalt ist es ja nicht, aber noch weit entfernt von warm!
Eine Woche ist um und wir freuen uns: noch drei Wochen Ferien!
14.07.13
SO 30/06
Wir verlassen die Idylle zeitig und lassen uns direkt auf den
grossen Parkplatz vom Astrid Lindgren Land navigieren. Nehmen Sack und Pack mit
und zahlen einen happigen Eintritt für die Grossen; Nino ist noch gratis. Dieser
wird übrigens noch «beschriftet». Eine coole Idee diese Armbänder, auf die man
den Namen den Kindes und die Telefonnummer der Eltern schreiben kann.
Wir starten also unsere Tour durch das Geschichte-Land und sind
beeindruckt von all den schwedischen Familien, die mit Kühlbox und
Picknickdecke ausgerüstet, und mindestens drei Kindern im Schlepptau
Bollerwagen mehrere Tage zu bleiben scheinen. Der Weg führt nach
Miniatur-Vimmerby. Nach den ersten paar scheuen Blicken in die Fensterchen,
bringen wir Nino Stunden Minuten später fast nicht mehr weg. Dabei gibt
es so viel zu sehen hier: alle Hauptorte der Lindgren-Bücher sind wirklich
schön nachgebaut, immer wieder spielen Schauspieler kurze Sequenzen vor und
alle paar hundert Meter stehen schmucke Verpflegungs-Häuschen, die Waffeln,
Schleckzeug oder Kaffee und Kuchen anbieten. Es hat Tiere und viele
Abenteuerspielplätze; wir haben das Land viel «freizeitparkmässiger» erwartet.
Sogar der obligate Mini-Zug durch alle «Länder» fehlt hier. Am späteren
Nachmittag entscheiden wir, den nächsten Campingplatz zu suchen. Nino schläft –
kaum im Auto – ein, so kam er doch den ganzen Nami nicht dazu zu schlafen, er
hätte ganz bestimmt den Michel oder die Pippi verpasst! Das gibt uns Zeit,
einen schönen Platz zu suchen. Smaland gefällt uns und wir würden gerne mal wieder
zwei Nächte an einem Ort bleiben. Etwa eine halbe Stunde nach Vimmerby finden
wir in Mariannelund Spilhammars Camping, auf einer Waldlichtung neben einem
kleinen See mit romantischem Bachzufluss. Perfekt! Wir parken Johnny am
Waldrand neben Wohnwagen und Zelten. Hey, hier hat es ja keine Dauercamper!
Dafür Berner, direkt hinter uns. Die ersten Schweizer seit wir unterwegs sind.
Schnell lernen wir unsere Nachbarn auf Zeit kennen, auch die deutsche Familie
nebenan. Wir geniessen es, uns mit anderen Skandinavien-Reisenden auszutauschen
und Nino kann wiedermal mit anderen Kindern spielen.
SA 29/06
Viel schneller als wir gekommen sind, sind wir dann plötzlich wieder
auf der Brücke Richtung Kalmar. Eine schöne Brücke übrigens, eine der längsten
in Skandinavien wohl. Wir fahren noch eine Extratour durch die schöne Stadt
Kalmar und düsen dann Richtung Norden. Ein bisschen ohne Plan, mal sehen wie
weit wir auf dem Weg nach Vimmerby kommen. Im WOMO-Führer finden wir einen
Naturcamping-Tipp. Den suchen wir auf und beschliessen, heute mal «wild» zu
Übernachten. Für 100 Kronen die Nacht darf man hier einen Platz aussuchen und
es hat sogar WC und Dusche. Neben ein paar Dauercampern (finden wir schräg, an
einem solchen Ort ohne Reception) sind wir die Einzigen die sich einen schönen
Platz im Wald mit direkter Meersicht ausgesucht haben. Die WOMOs parken auf dem
Schotterplatz ohne Aussicht. Hmmmm?
Nino schläft noch, wir laden nur das Nötigste aus, gönnen uns einen
Pack Chips und geniessen Schweden in Schön! Richtig Outback-Camper-like ;-)
packen wir später den «Eingangsgrill» aus und kochen unser Znacht komplett auf
dem Mini-Teil: (dann schon kalte) Country-Cuts, Grillgemüse und Burger mit
allem drum und dran (inkl. Bähnke-Burgersauce). Yeeeeeha!
07.07.13
FR 28/06
Nachtrag: es wird gewiss ganz schöne Orte auf Öland geben und wenn man weit genug in den Norden fährt, trifft man bestimmt auch weniger unschwedische Leute, dafür scheinbar unberührte Natur. Möglicherweise werden wir zurückkommen und Öland eine zweite Chance geben, unter anderen Umständen, an andere Orte, mit einem grossen Bogen um Borgholm!
DO 27/06
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Noch vor dem Mittag fahren wir los. Heute soll es bis Öland reichen.
Die Fahrt durch Öland ist sehr schön. Immer wieder begegnen wir alten
Windmühlen und langen Steinmauern, wie wir sie auch aus dem Jura kennen. Hier
könnte es uns gefallen. Auch die Temperaturen gefallen uns, die Insel ist wohl
zurecht «das Tessin von Schweden». Das zeigt sich aber dann auch bei der
Platzsuche. Offenbar gibt’s hier nur charmelose Touri-Badiwiesen-Campingplätze.
Gar nicht unser Ding. Wir fahren weiter, bis wir nicht mehr mögen und finden
tatsächlich ein schönes Plätzchen im Wald mit Blick aufs Meer auf dem Camping Kapelludden. Der
liegt direkt am Rand des Hauptortes Borgholm. Das klingt doch tiptop. Wir
erkunden die Stadt und entdecken zwei, drei spannende Geschäfte und Lokale,
beschliessen morgen nochmal hinzugehen und zeigen Nino die Schiffe am Hafen.
Der will da gar nicht mehr weg! «Schiffli luege» wird wohl von nun an jeden
zweiten Tag auf unserer Ferien-Aktivitäten-Liste stehen.
MI 26/06
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Ja, das Wetter behält uns nicht gerade auf der Westseite Schwedens.
Unser Fernziel: Öland. Unsere heutige Etappe: Baersebaeck > Ringsjön-See
> Listerby. So haben wir’s geplant, so hat’s geklappt. Allen kamen wir recht
entspannt und ausgeglichen auf dem Campingplatz Ronneby Havscamping an. Auf den
haben wir uns gefreut, so hat er doch eine ziemlich gute Bewertung; offenbar
von vielen Familien bewohnt, einem umfangreichen Shop-Angebot und W-LAN. Schön
gelegen ist der Platz, nur wo ist das Leben hier? Was lässt sich aus
Haushaltspapier, Klämmerli, tonnenweise Spielsachen, einem halben Liter Grädde
und Kalles Kaviar bloss kochen? Nein, Köttbullar finden wir selbstverständlich
auch (die werden auch in Zukunft in keinem Campingplatz-Shop fehlen). Ebly
haben wir noch dabei. Das passt! Internet gibt’s, allerdings nur im
Hauptgebäude und nur bis 22 Uhr. Die Zeit geht drauf, um Plätze auf Öland
ausfindig zu machen.
DI 25/06
SO 23/06
Irgendwo müssen wir dann doch Halt machen. Für Gratis dürfen wir auf
einem Campingplatz-Parkplatz übernachten – wir wollen um 4 Uhr wieder
losfahren. Gesagt, geschlafen, getan! Yeeeha, dann endlich treffen wir in Puttgarden
ein, die Fähre, wir sehen sie schon! …und dann sind wir auch schon drin. Potz,
das ging schnell; kaum bezahlt schon losgefahren. Nach einer kurzen Überfahrt
treffen wir in unserem Dänemark ein! Da sind wir nun, irgendwie erleichtert,
aber auch leicht überfordert, schon da zu sein. Den ersten Campingplatz den wir
ansteuern, sieht irgendwie noch nicht eröffnet aus. Doch wir sind alle müde und
mögen nicht mehr fahren. So stellen wir Johnny direkt neben Sandkasten und
Rittiplamppi, trotz unbesetzter Reception mal ab und hoffen, dass wir bleiben
können. Der Platzchef kommt dann später vorbei um uns die Infos zum Platz zu
geben. Es hat eine Toilette, eine Dusche, eine Küche und eine
Abwaschgelegenheit. Bestens, alles was wir brauchen!
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